Mathilde Franziska Anneke - ein Leben in zwei Welten

02.06.2010 | Münster
Salon "Frauenbilder" widmet sich bekannter Frauenrechtlerin aus Sprockhövel

Um die Frauenrechtlerin und Freiheitskämpferin Mathilde Franziska Anneke (1817-1884) geht es im nächsten Salon "Frauenbilder", zu dem der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) am Donnerstag, 10. Juni, um 18 Uhr in sein Industriemuseum Zeche Nachtigall nach Witten einlädt.

"Ein Leben in zwei Welten" ist die literarisch-musikalische Collage überschrieben, in der Autorin Rita Fromm und Schauspielerin Helga Kreiner-Wagner eine der berühmtesten deutschen Frauen vorstellen. In ihrem bewegten Leben in Deutschland, Frankreich, der Schweiz und den USA setzte sich die charismatische Frau mutig und aktiv für Freiheit und Gerechtigkeit ein: für politische Freiheitsrechte, Frauenrechte, gegen Sklaverei und für eine gleichwertige Ausbildung der Mädchen. Für den musikalischen Rahmen sorgt die international renommierte Konzertpianistin Ana Maria Bohórquez-Campistrús aus Karlsruhe. Der Eintritt ist frei.

Mathilde Franziska Anneke

Mathilde Franziska Anneke wurde am 3. April 1817 auf dem großelterlichen Hof Oberlevering-hausen in der Gemeinde Hiddinghausen, heute Sprockhövel, geboren. Sie ist das älteste von zwölf Geschwistern und wächst in einer gebildeten, sozial engagierten Familie der preußisch-westfälischen Oberschicht auf.

Die 19-jährige Mathilde heiratet den Mülheimer Weinhändler Alfred von Tabouillot. Kurz nach der Geburt der Tochter Fanny trennt sich die junge Frau von dem gewalttätigen Ehemann und reicht die Scheidung ein - ein gesellschaftlicher Affront gegen die Konventionen des 19. Jahrhunderts. Wesel und Münster sind ihre nächsten Lebensstationen. Mit Schreiben versucht sie, für sich und die Tochter zu sorgen. Im "Demokratischen Verein" in Münster lernt sie junge Künstler und Intellektuelle kennen, darunter auch den wegen seiner Gesinnung entlassenen preußischen Offizier Fritz Anneke. Mathilde und Fritz Anneke heiraten 1847 und ziehen nach Köln.

Im Salon des Ehepaares Anneke treffen sich die geistigen Führer der Revolution von 1848, darunter Ferdinand Lasalle, Friedrich Engels und Karl Marx sowie Dichter wie Hoffmann von Fallersleben und Ferdinand Freiligrath. Mathilde Anneke schreibt für die wichtigsten Zeitungen des sogenannten "Vormärz" und gibt bis zu deren Verbot 1848 die "Frauen-Zeitung" heraus. In diesem Jahr wird auch der Sohn Fritz geboren. Die junge Mutter beteiligt sich an der Seite ihres Mannes im Revolutionsheer an den Reichsverfassungskämpfen von 1849 in der Pfalz und Baden. Nach der Niederlage der Revolutionäre flüchten die Annekes nach Amerika.

Dort arbeitet sie als Journalistin und gibt eine "Deutsche Frauenzeitung" heraus, die von der Ostküste über Texas bis nach Brasilien verbreitet war. Sie tritt für die Sklavenbefreiung ein, fordert das Frauenstimmrecht und hält darüber in vielen größeren Städten Vorträge. Bis an ihr Lebensende leitet sie eine selbst gegründete Mädchenschule. Sie stirbt mit 67 Jahren in Milwaukee.

Präsentation auf Zeche Nachtigall

Während sie in der Geschichte der amerikanischen Frauenbewegung einen Ehrenplatz erhielt, wurde die Bedeutung Annekes für die Frühgeschichte der deutschen Frauenemanzipation lange verkannt. Erst im April dieses Jahres wurde sie in ihrer Geburtsstadt Sprockhövel erstmals mit dem Anneke-Preis geehrt. In der Ausstellung "Hercules - Vom Olymp ins Ruhrtal", die der LWL aktuell in seinem Wittener Industriemuseum zeigt, widmet sich das Industriemuseum besonders einer der "Herkules-Taten" von Mathilde Franziska Anneke: ihrer Teilnahme an der deutschen Revolution von 1848/49. Ab 17.30 Uhr kann die neue Sonderausstellung kostenlos besichtigt werden.

Die Text-Musik-Collage auf Zeche Nachtigall erinnert an die wechselvollen Ereignisse im Leben der Mathilde Franziska Anneke. Zitate aus ihren Gedanken, Aufrufen, Briefen, Artikeln und Aufsätzen ergeben ein deutsch-amerikanisches Zeitbild. Die Kompositionen von Frédéric Chopin, Robert Schumann, Franz Liszt, Anton Dvorak u.a. begleiten die gesprochenen Worte

Quelle: Pressemeldung Landschaftsverband Westfalen-Lippe

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