Festveranstaltung zum 200. Geburtstag von Johann Andreas Schubert

01.07.2008 | Dresden
Für drei herausragende Entwicklungs- und Ingenieurleistungen, die weltweit eine besondere Faszination ausüben - die erste deutsche Lokomotive "Saxonia", das Dampfschiff "Königin Maria" und die "Göltzschtalbrücke" - ist er berühmt geworden: Johann Andreas Schubert.

Das Werk des angesehenen Professors, dessen Geburtstag sich am 19. März 2008 zum 200. Male gejährt hat, erfreut sich bis heute bei allen an Technik- und Ingenieurwissenschaften interessierten Menschen weit über Dresden und gar Sachsen hinaus eines nicht nachlassenden Interesses. Schubert ist in Dresden beinahe zur Legende geworden, Generationen von Studenten ist er stets ein Begriff gewesen. Sein Name steht für Pioniergeist, seine Leistungen ringen uns heute noch Respekt ab.

Schubert eignete sich wie kein anderer Pionier der Industrialisierung zur Mythenbildung, die zwischen posthumer Popularität und ideologisch motivierter Erinnerungskultur auch seltsame Blüten schlug. Manches davon muss heute revidiert werden. Bestechend aber bleibt Schuberts Vielseitigkeit: er war in Personalunion Lehrer, Ingenieur, Erfinder, Unternehmer, Freimaurer, Gutachter und manches mehr. Als letzter Universalist unter den Polytechnikern des 19. Jahrhunderts hat er vor allem ein weit gespanntes, fast den gesamten Fächerkanon seiner Bildungsanstalt überspannendes Werk hinterlassen.

Schubert war ein Professor im wahrsten Sinne des Wortes: mehr als vierzig Jahre lehrte er die unterschiedlichsten technischen Fächer. Er war dabei in mehr als 14 Lehrgebieten vor allem des Maschinen- und Bauingenieurwesens zu Hause. Sogar so ausgefallene Disziplinen wie Buchhaltung, Geodäsie und Astronomie zählten zu seinem Fächerspektrum. Gerade im Maschinenbau, dem Hauptfach seiner frühen Lehrtätigkeit, schickte sich Sachsen in den ersten Dezennien des 19. Jahrhunderts an, mit England, der "Werkstatt der Welt", zu konkurrieren.

Im Jahr 1828 - vor 180 Jahren - hatte der gerade einmal 20-jährige Schubert seine überaus erfolgreiche Laufbahn als polytechnischer Lehrer und Ingenieurwissenschaftler begonnen. Bis kurz vor seinem Tode sollte diese Tätigkeit andauern.

Es verwundert nicht, dass in den Gründungsjahren der Dresdner Technischen Bildungsanstalt jene Fächer besonders hervorgehoben wurden, die einen unmittelbaren Einfluss auf die Grundlagen der Industrialisierung versprachen. Namentlich der Maschinenbau und der Eisenbahnbau wurden in Sachsen zum Motor der industriellen Revolution. Schubert hatte an dieser Entwicklung einen ganz entscheidenden Anteil.

Seiner außerordentlichen Lehrerfolge wegen gelang es Schubert bald, Einfluss auf die Gestaltung der Ausbildung zu nehmen. Schon damals verfolgten weitsichtige Hochschulpolitiker das Ziel, Dresden - wie wir es heute sagen würden - zu einem Wissenschaftsstandort zu machen.

Als Schubert 1868 hoch geehrt ausschied, stand das Dresdner Polytechnikum an der Schwelle zu einer Ingenieurausbildung mit Hochschulcharakter. Hinzugekommen war die Unterrichtung von Lehrern für mathematische, naturwissenschaftliche und technische Fachgebiete. Dies ging einher mit einer Reform des höheren Schulwesens und dem Ausbau der Realschulen in Sachsen.

Schuberts Spuren in Technik und Industrie sind markant und nachhaltig. Die TU Dresden ehrt den Pionier mit gutem Grund als einen bedeutenden Lehrer für die Praxis.

Die Festveranstaltung zum 200. Geburtstag Schuberts findet am Freitag, 11. Juli 2008, 10 Uhr im Andreas-Schubert-Bau, Zellescher Weg 19, Hörsaal 120, statt. Journalisten sind herzlich dazu eingeladen.

Ab 13.45 Uhr besteht im Eisenbahnmuseum Bahnbetriebswerk Dresden-Altstadt, Zwickauer Str., für Ehrengäste und Journalisten die Möglichkeit, die Saxonia zu besichtigen sowie an einer Exkursion zu ausgewählten Lebens- und Wirkungsstätten von Johann Andreas Schubert teilzunehmen.

Journalisten melden sich bei Interesse bitte bis zum 4. Juli an!

Dass die Saxonia wieder betriebs- und fahrbereit zu besichtigen ist, ist den Meininger Spezialisten des DB Dampflokwerks zu danken. Der Nachbau der "Saxonia", der ersten in Deutschland gebauten betriebsfähigen Dampflokomotive, erhielt im Dampflokwerk der Deutschen Bahn AG im thüringischen Meiningen eine komplette technische Überprüfung. Hierfür wurde die historische Lok in ihre Baugruppen zerlegt, Bauteile wurden geprüft und notwendige Reparaturen durchgeführt. Diese sogenannte Hauptuntersuchung ist bei allen schienengebundenen Fahrzeugen vorgeschrieben.

Die Saxonia ist im Bestand des Nürnberger DB Museums. Ihre Heimat hat die Lokomotive in Leipzig. Zwei Jahre stand der 1988 gefertigte Nachbau der ersten deutschen Dampflokomotive nicht mehr unter Dampf.

Die von Johann Andreas Schubert gebaute Lokomotive war für die Eröffnungsfahrt auf Deutschlands erster Fernbahnstrecke Leipzig - Dresden am 7. April 1839 vorgesehen. Die Deutsche Reichsbahn der DDR baute 1985 bis 1988 die Lokomotive für das 1989 geplante Steckenjubiläum nach. Der Nachbau soll anlässlich des 200. Geburtstags des Konstrukteurs im Juli dieses Jahres wieder unter Dampf stehen und auch fahren. Alle Interessierten können am 12. Juli 2008 in der Zeit von 10 bis 17 Uhr im Eisenbahnmuseum Bahnwerk Dresden, Zwickauer Str., die Saxonia besichtigen. Gleichzeitig bietet die TU Dresden Busexkursionen zu Schubertgedenkstätten in Dresden an, die ebenfalls im Eisenbahnmuseum starten.

Quelle: Pressemeldung Technische Universität Dresden

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