Begründer der Spezialglasindustrie - Vor 75 Jahren starb Otto Schott
1884 gründete er ein kleines Glaslabor in Jena, das sich bis heute zu dem internationalen Technologiekonzern SCHOTT mit Sitz in Mainz entwickelt hat.
"Otto Schott gehörte zu den bedeutendsten Wissenschaftlern und Unternehmern seiner Zeit. In seinem großartigen Lebenswerk liegen die Wurzeln der besonderen Unternehmenskultur von SCHOTT, die geprägt ist von technologischer Kompetenz und Innovationskraft, kontinuierlich voranschreitender Internationalisierung sowie Verantwortung für die Mitarbeiter und die Gesellschaft", fasst Prof. Dr.-Ing. Udo Ungeheuer, Vorsitzender des Vorstandes der SCHOTT AG, die Verdienste des Firmengründers zusammen.
Die "zweite Erfindung" des Glases
Schon als kleiner Junge war Otto Schott von der Glasherstellung in der väterlichen Glashütte in Witten in Westfalen fasziniert. Deshalb studierte er in Aachen, Würzburg und Leipzig Chemie und Mineralogie und schrieb 1875 in Jena die Dissertation "Beiträge zur Theorie und Praxis der Glasfabrikation". Im Jahr 1879 begann er, das Verhalten verschiedenster chemischer Verbindungen beim Schmelzen von Glas grundlegend zu erforschen. Um die Zusammenarbeit mit dem Physiker Ernst Abbe und Carl Zeiss, dem Inhaber einer Optischen Werkstätte, zu intensivieren, siedelte er 1882 nach Jena über.
Dort gründete Schott 1884 gemeinsam mit Abbe und Zeiss das "Glastechnische Laboratorium Schott & Genossen", wo er zunächst neuartige optische Spezialgläser mit erstmals genau definierten und reproduzierbaren Eigenschaften entwickelte. Diese ermöglichten die Serienfertigung leistungsstarker Mikroskope in gleich bleibender Qualität und trugen maßgeblich zum Weltruf der deutschen optischen Industrie bei. Mit dem Borosilicatglas gelang Otto Schott 1887 eine weitere bedeutende Entwicklung. Widerstandsfähig gegen Säuren und Laugen sowie extrem beständig gegen Hitze und schroffe Temperaturwechsel fand dieses neue Spezialglas zunächst Verwendung als Thermometerglas (1891), Laborglas (1893) und Lampenzylinder für die Gasbeleuchtung (1894). Nach dem Ersten Weltkrieg kamen hitzebeständige Hauswirtschaftsgläser hinzu, die unter der Marke "Jenaer Glas" bekannt wurden.
Durch die Entwicklung völlig neuartiger Gläser und neuer Fertigungsverfahren wurde Schott zum Begründer der Spezialglasindustrie als einem neuen Industriezweig.
Industrieunternehmen mit Weltgeltung
In kurzer Zeit baute Otto Schott das kleine Glaslabor zu einem Industrieunternehmen mit Weltgeltung aus. Die neuen Spezialgläser aus Jena waren bald in vielen Ländern gefragt. Bereits im Jahr 1900 erreichte der Exportanteil 50% vom Umsatz.
"Mitbegründer" der Carl-Zeiss-Stiftung
br> Von Anfang an legte Otto Schott großen Wert auf das persönliche Wohlergehen seiner Mitarbeiter. Er teilte die sozialpolitischen Ideen von Ernst Abbe, die 1889 zur Gründung der Carl-Zeiss-Stiftung führten. Mit Schotts Zustimmung wurden die Geschäftsanteile von Abbe und Zeiss am SCHOTT Werk 1891 auf die Carl-Zeiss-Stiftung übertragen. Und nachdem Otto Schott 1919 auch seine Anteile auf die Carl-Zeiss-Stiftung übertrug, war das SCHOTT Werk im alleinigen Besitz der Stiftung.
Auf der Basis von Abbes Stiftungsstatut von 1896 erhielten die Mitarbeiter der beiden Stiftungsunternehmen Carl Zeiss und SCHOTT erhöhten Kündigungsschutz, bezahlten Urlaub, Krankengeld, Gewinnbeteiligung, betriebliche Altersversorgung und Arbeitervertretungen. Diese für die damalige Zeit ungewöhnlichen sozialen Rechte fanden später Eingang in die allgemeine Sozialgesetzgebung in Deutschland und in tarifvertragliche Regelungen. Wegen der vorbehaltlosen Unterstützung seiner Stiftungsidee würdigte Abbe seinen Partner und Freund Schott als "in gewissem Sinne Mitbegründer der Carl-Zeiss-Stiftung".
Als sich Otto Schott 1926 im Alter von 75 Jahren aus der Geschäftsleitung zurückzog, besaß das Jenaer Glaswerk Weltgeltung und beschäftigte mehr als 1500 Mitarbeiter.
Auch außerhalb des Unternehmens zeigte sich Otto Schott als Unternehmer mit gesellschaftlicher Verantwortung. In Anlehnung an die externen Aufgaben der Carl-Zeiss-Stiftung unterstützte er die Jenaer Universität sowie viele gemeinnützige und soziale Einrichtungen in Jena mit zahlreichen Spenden aus seinem Privatvermögen oder durch persönliches Engagement.
Mitwirkung bei Gründung der Deutschen Demokratischen Partei (DDP)
Als nach dem Ende des Ersten Weltkriegs in Deutschlands neue Parteien gegründet wurden, war Otto Schott an der Entstehung der Deutschen Demokratischen Partei (DDP), einer Vorläuferpartei der heutigen FDP, beteiligt. Auf Reichsebene gehörte er zu den Unterzeichnern des Gründungsaufrufs und in Jena zu den Gründungsmitgliedern der Ortsgruppe. Politisch aktiv war Otto Schott für die DDP allerdings nicht.
Trennung und Wiedervereinigung
Der Zweite Weltkrieg riss das von Otto Schott gegründete Unternehmen auseinander. Nach Kriegsende nahmen US-Truppen im Sommer 1945 die Geschäftsleitung und ausgewählte Spezialisten mit in den Westen. Der "Zug der 41 Glasmacher" endete 1952 in Mainz, wo Erich Schott, der Sohn von Otto Schott, das Stiftungsunternehmen weiterführte und ein neues Hauptwerk aufbaute. Auslöser für den Neuaufbau im Westen waren die die Enteignung des Stammwerkes in Jena und die Umwandlung in einen volkseigenen Betrieb 1948 sowie die staatliche Teilung Deutschlands 1949. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands nutzte auch SCHOTT die Chance zur unternehmerischen Wiedervereinigung. SCHOTT in Mainz übernahm die Geschäftsanteile des alten Stammhauses in Jena, modernisierte das Werk und integrierte es in den SCHOTT Konzern. Heute sind bei SCHOTT in Jena über 1100 Mitarbeiter beschäftigt.
Otto-Schott-Forschungspreis
In der Glasbranche erinnert heute der Otto-Schott-Forschungspreis an seinen Namensgeber. Seit 1991 verleiht SCHOTT diesen Preis für hervorragende wissenschaftliche Leistungen und zur motivierenden Förderung der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Industrie. Die viel beachtete Auszeichnung würdigt wegweisende Expertisen auf den Gebieten Glas, Glaskeramik und ähnlicher Werkstoffe.
Quelle: Pressemeldung SCHOTT AG
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